Samstag, 4. August 2012

Rezension: Weiblich, jung, flexibel


Autor(in): Felicitas Pommerening
Verlag: Herder
Seitenzahl:  178
Preis:  14,99 Euro
ISBN:  978-3451305320

Bildquelle und Infos: *hier*
 
Das Cover finde ich eher unscheinbar und obwohl ich schon finde, dass es zum Titel und auch zum Inhalt passt, muss ich ehrlich gestehen, dass ich es nur aufgrund des Covers wohl nicht in die Hand genommen hätte, was wirklich sehr schade gewesen wäre.

 
„Die beiden Freundinnen Carlynn und Ellen haben ihren Universitätsabschluss in der Tasche und stehen vor den großen Fragen: Was wollen wir eigentlich? Wie sieht die Zukunft aus? Traummann? Kinder? Job? Bei ihrer Suche nach Antworten stoßen sie auf die Schwierigkeiten, die viele haben: Beruflicher Druck steht gegen eigene Wünsche; persönlicher Ehrgeiz gegen die Einflüsse von Freunden und Familie. Und die Sehnsucht nach Selbstverwirklichung muss immer wieder abgewogen werden gegen die Erwartungen der Gesellschaft.“ 
(Quelle: http://www.herder.de/suche/exp/details?k_tnr=30532&sort=1&query_start=&titel=Weiblich,%20jung,%20flexibel)

Das Buch beginnt damit, dass Carlynn ein Vorstellungsgespräch hat, das trotz guter Zeugnisse und toller Praktika nicht gerade nach ihrem Wunsch verläuft. Daraufhin packt sie ihre Koffer und versucht erst einmal in Indien herauszufinden, was sie wirklich will und was sie sich für die Zukunft erhofft. 

Ihre Freundin Ellen dagegen ist auf der Suche nach einer Teilzeitstelle. Doch als junge Frau ohne Familie eine Teilzeitstelle, so was scheint irgendwie unmöglich zu sein. Deshalb nimmt sie erst einmal eine Vollzeitstelle an und hofft, später die Stunden reduzieren zu können. 

Doch beide Frauen stoßen immer wieder an ihre Grenzen, denn eigentlich hatten sie sich ihr Leben so ganz anders vorgestellt, als es schließlich ist. Aber lohnt es sich wirklich, die Sicherheit aufzugeben, um für die eigenen Träume zu kämpfen oder zwingen einen die Rahmenbedingungen der heutigen Gesellschaft zu weniger attraktiven Alternativen?

Carlynn ist 24 und nach dem Studium auf der Suche nach einem Arbeitsplatz. Doch trotz guter Noten, diversen Praktika und Extrakursen, scheint sie niemand haben zu wollen. Nachdem ihr mehr oder weniger gesagt wird, dass sie zu langweilig, zu geradlinig ist, packt sie ihre Koffer und sucht in Indien das Abenteuer und neue Erfahrungen. Aber gerade dort wird ihr klar, dass sie keine Aufgabe sucht, bei der sie die Welt verändern kann, sondern einfach nur eine Arbeit, an der sie Freude hat und genug Geld am Ende des Monats übrigbleibt, um sich auch einmal etwas gönnen zu können. Aus Verzweiflung nimmt sie einen Job an, den sie eigentlich von Anfang nicht wollte, nur um endlich Arbeit zu haben und ins Berufsleben einsteigen zu können. Aber ihr bleiben immer Zweifel: Lohnt es sich wirklich, eine Arbeit anzunehmen, mit der man unglücklich ist, nur um Arbeit zu haben?

Ellen ist eigentlich ganz anders als Carlynn. Sie möchte nach dem Studium auch arbeiten, aber nur Teilzeit, denn sie will auch noch Zeit für sich, ihre Hobbies und um das Leben zu genießen. Aber es ist gar nicht so einfach, das vor ihren Freunden, ihrer Familie und den Arbeitgebern zu rechtfertigen. Denn sie ist jung, hat keine Kinder und sollte sich doch eigentlich voller Elan ins Berufsleben stürzen wollen. Da sie keine passende Teilzeitstelle findet, nimmt sie zunächst eine Vollzeitstelle an, bei der sie auch noch reichlich Überstunden schieben muss. Anstatt also das Leben zu genießen, verbringt sie den Großteil ihrer Zeit in der Arbeit und ist danach so kaputt, dass es nur noch für Couch und Fernsehen reicht. So hatte sie sich das sicher nicht vorgestellt, aber wie soll sie aus diesem Dilemma herauskommen, ohne ganz von vorne beginnen zu müssen?

 
Das Buch ist abwechselnd aus Sicht von Carlynn und Ellen geschrieben, wobei die beiden ja beste Freundinnen sind und ihre Geschichten miteinander verwoben sind. Ich finde es sehr schön, dass man sowohl Carlynns als auch Ellens Gefühle, Gedanken und Ängste direkt erfährt und sich so besser in beide Frauen hineinversetzen kann. Doch ich muss sagen, ich hätte schon gern mehr über die Protagonisten erfahren. Irgendwie wird man sehr schnell in die Geschichte hineinkatapuliert, ohne einen richtigen Vorlauf, ohne dass man sich langsam in die Story hineinfinden kann. Da hätte ich mir noch mehr Informationen gewünscht, um die beiden Frauen besser kennenzulernen.

Sehr gut gelingt es der Autorin, Felicitas Pommerening in meinen Augen, die Gefühle der Protagonistinnen glaubhaft darzustellen. Während ich las, konnte ich richtig mitfühlen, wie die beiden Frauen hin- und hergerissen sind, zwischen ihren Träumen, Wünschen und Zukunftsvorstellungen und dem Rollenbild, das eine junge Frau in unserer Gesellschaft erfüllen soll.

Doch es geht nicht nur um das Frauenbild, sondern auch um andere Rollen z.B. die eines Berufseinsteigers, eines Arbeitnehmers, einer Studentin, einer Mutter und all das, was von jungen Menschen in unserer heutigen Gesellschaft erwartet wird. All diese Erwartungen hat die Autorin in ihrem Buch untergebracht, ohne dass es dem Leser zu viel wird. Im Gegenteil, es wurde mir da erst wieder richtig bewusst, welchen Erwartungen man eigentlich täglich versucht gerecht zu werden. Eigentlich steht man ständig unter Druck und vor allem, wenn man einige Jahre im Beruf ist, vergisst man schnell, was man sich als Berufseinsteiger eigentlich alles erwartet, was man sich vorgenommen hat, was man erreichen wollte und wieso man ausgerechnet diesen Beruf gewählt hat.

Im Nachwort erklärt das Felicitas Pommerening als Desillusionierung und ich muss ehrlich gestehen, ich habe mich sowohl in der Geschichte, als auch im Nachwort wiedergefunden und so hat mich das Buch wirklich zum nachdenken gebracht. Ich dachte eigentlich, es sei einfach ein unterhaltsamer Roman, aber dieses Buch enthält eine Botschaft, die einen aufrüttelt, zum grübeln bringt und dazu anregt, wieder zu träumen und diese Träume auch umzusetzen. Und genau diese mehr oder weniger versteckte Botschaft macht dieses Buch zu etwas Besonderem.

 
Dieses Buch handelt nicht nur von zwei jungen Frauen, sondern wie der Untertitel schon sagt: „Von den wichtigen Momenten im Leben und wie man sie am besten verpasst“. Wobei, was heißt, verpasst, vielleicht ist es auch nie zu spät, sein Leben nicht zu träumen, sondern seine Träume zu leben.

Ein tolles Buch, das mich an meine Träume erinnert und zum nachdenken gebracht hat.

Von mir bekommt das Buch 4 Punkte von 5.



 
Vielen Dank an die Autorin Felicitas Pommerening und den Herder- Verlag, die mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.


Schaut doch auch mal auf der Website der Autorin vorbei: http://felicitaspommerening.de/

Und hier noch was ganz Besonderes:

 

Kommentare:

  1. Die Rezi klingt vielversprechend...und ich freu mich schon auf das Buch :-)

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  2. Ja mir hat das BUch auch gut gefallen, ist mal was ganz anderes. Und ich freue mich auf die Fortsetzung.

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