Dienstag, 26. August 2014

[Rezension] Das nachtblaue Kleid

Cover 




 Titel: Das nachtblaue Kleid
 Autor/in: Karen Foxlee
 Verlag: Beltz & Gelberg

 Seitenzahl: 333
 Preis: 17,95 € (D)
 ISBN: 978-3-407-81181-3

 Bildquelle: http://www.beltz.de/




"Rose Lovell braucht keine Freunde. Rose hat niemals irgendwo dazu gehört. Doch als sie mit ihrem Vater, der vor dem Leben flieht, in diesem Kaff an der Pazifikküste Australiens strandet, trifft sie auf die unvergleichliche Pearl Kelly, die alles überstrahlt. Von ihr lässt sich Rose überreden, auf dem Ball der Zuckerrohrernte mitzumachen, dem alle Mädchen entgegenfiebern. Und so lernt Rose die alte Edi Baker kennen, gemeinsam nähen sie das nachtblau schimmernde Traumkleid, mit dem Rose die Schönste sein wird. Stich für Stich hört Rose von Edis Geheimnissen und dem verborgenen Baumhaus, das einst ein Liebesnest war. Erst am Schluss dieses Romans erfährt man von dem Unglück, das passiert ist und alles verändert."
(Quelle: http://www.beltz.de/de/kinder-jugendbuch/beltz-gelberg/titel/das-nachtblaue-kleid.html)


Rose und ihr Vater reisen von einem Ort zum anderen. Seit dem tragischen Tod von Roses Mutter ist ihr Vater ruhelos und bleibt nie irgendwo besonders lange. Doch als er dieses Mal beschließt, für einige Zeit auf dem Campingplatz Paradise unterzukommen, meldet Rose sich dort in der Schule an und lernt Pearl kennen, mit der sie sich sofort anfreundet. Rose ist total fasziniert von Pearl und lässt sich von ihr dazu überreden, sich von der alten Edi Baker ein Kleid für die Zuckerrohrernte nähen zu lassen. Die Zuckerrohrernte ist etwas ganz Besonderes in diesem kleinen Dorf und jedes Mädchen möchte die Schönste auf diesem Fest sein.

Zuerst ist Rose etwas skeptisch, denn eigentlich hält sie nichts von solchem oberflächlichen Schnickschnack und Edi Baker ist so anders, seltsam und ihr Haus ist voll von alten und eigenartigen Gegenständen. Doch je häufiger Rose Edi besucht und je mehr Geschichten sie von der alten Frau hört, desto wohler fühlt sie sich, sogar fast so, als hätte sie endlich ein zuhause gefunden. 

Doch dann kommt der Tag der Zuckerrohrernte und plötzlich passiert etwas Schreckliches, etwas, das das Leben aller für immer verändern wird … .
Ich muss zugeben, dass mir noch nie eine Rezension so schwer gefallen ist, wie diese hier. „Das nachtblaue Kleid“ ist so anders, so eigen und ich brauchte lange Zeit, um mir überhaupt eine Meinung über dieses Buch zu bilden.

Das Buch beginnt schon ganz anders, als andere Bücher. Der anonyme Erzähler fragt die Leser direkt: „Verzeiht ihr mir, wenn ich euch das Ende verrate?“ und beginnt dann von einem Mädchen im Park zu erzählen, das eine Begegnung mit einem Jungen oder Mann hat. Wer das Mädchen ist und wer der Mann, was genau passiert ist, erfährt man jedoch zunächst nicht. Die Geschichte springt nämlich erst einmal zu Rose, die in einem kleinen Ort in Australien ankommt und dort in der Schule auch sehr schnell Pearl kennenlernt und sich mit ihr anfreundet. 

Und da hat man schon die erste Besonderheit dieses Buches: Die beiden Mädchen sind so herrlich verschieden: Da ist die stille, introvertierte Rose, die Wörter wie Gedichte aufschreibt und ein sehr schwieriges Familienleben hat. Und die trifft schließlich auf die quirlige, lebensfrohe, aber auch etwas naive Pearl, aus der ihre Gedanken nur so heraussprudeln und die stets das Beste an allem und in jedem sieht. Dabei ist es gerade so, als würde die Geschichte von all diesen Gegensätzen leben, als würde sich die Story dadurch ständig ändern und die Protagonisten und somit auch den Leser immer wieder in neue Situationen verstricken. 

Eine weitere Besonderheit ist der Schreibstil: Jedes Kapitel fängt damit an, dass ein Ich-Erzähler den Leser in die Geschehnisse einweiht. Man erfährt, dass etwas Schreckliches passiert sein muss und wird in die Ermittlungen eines Detectives einbezogen. Dabei erfährt man jedoch immer nur kurze Sequenzen, kleine Bruchstücke, so dass man als Leser versucht, die Puzzleteile zusammenzufügen und sich selbst ein Bild über das Geschehen und die Beteiligten zu machen, denn die Autorin Karen Foxlee lässt ihre Leser sehr lange im Dunkeln, so dass man sich selbst auf die Suche nach Antworten machen muss und die wildesten Spekulationen anstellt, was natürlich ordentlich Spannung erzeugt.

Doch die Ermittlungen findet man immer nur am Anfang eines Kapitels. Danach wird man wieder in die Vergangenheit katapultiert und erlebt zum einen mit, was vor der Zuckerrohrernte in Roses und Pearls Leben passiert ist, zum anderen schwelgt man in Erinnerungen an Edi Bakers Vergangenheit. So verlaufen eigentlich drei Handlungsstränge parallel und manchmal hatte ich das Gefühl, als würde die Geschichte keiner wirklich geraden Linie folgen und doch zog sich immer ein roter Faden durch die gesamten Erlebnisse, der einen wieder zurück zum eigentlichen Kern der Geschichte führte. Das fand ich zum einen sehr verwirrend, faszinierte mich gleichzeitig aber auch, da ich es wirklich bemerkenswert finde, wie es Karen Foxlee gelang, so zwischen den Handlungssträngen hin- und herzuspringen, ohne das eigentliche Geschehen aus den Augen zu verlieren. 

Durch die Kombination aus Gegenwart und Vergangenheit und durch die wechselnden Schreibstile wurde ich regelrecht in die Geschichte hineingezogen. Ich war irritiert, aber auch fasziniert und wollte unbedingt wissen, was denn eigentlich geschehen ist und wie sich die verschiedenen Handlungsstränge schließlich auflösen würden. Am Ende erfährt man zwar, wer beteiligt und was wirklich passiert ist, aber trotzdem lässt die Autorin genügend Spielraum, um dem Leser Platz für eigene Gedanken zu lassen. Vor allem das „warum“ und „wie kam es dazu“ bleibt auch am Ende sehr wage und ließ mich mit vielen Spekulationen und offenen Fragen zurück. Ich persönlich hätte das Buch zufriedener zugeschlagen, wenn der Fall bis ins letzte Detail geklärt worden wäre, auch, wenn mich die Geschichte dann wohl nicht so sehr beschäftigt hätte.
Obwohl „Das nachtblaue Kleid“ ein Jugendbuch ist, ist es doch alles andere als leichte Kost. Es geht um Freundschaft, Liebe, aber auch um Verlust und dunkle Geheimnisse und so viel mehr, das sich allerdings teilweise nur zwischen den Zeilen wiederfindet. 

Dabei machen der Schreibstil, die drei parallel laufenden Handlungsstränge und die gegensätzlichen Protagonisten bestimmt das Besondere dieses Buches aus.

Ein Buch, das seine Leser zum Nachdenken bringt, das irritiert, aber auch fasziniert und das es auf jeden Fall wert ist, gelesen zu werden.


Von mir bekommt das Buch 4 Punkte von 5.
http://www.beltz.de/
http://www.bloggdeinbuch.de/

Kommentare:

  1. Tolle rezi ;)
    klingt richtig interessant ;)
    LG Anna

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  2. Hallo liebe Moni,

    das ist eine sehr schöne Rezi! Du hast Recht, "Das nachtblaue Kleid" ist wirklich nicht unbedingt leichte Lektüre. Aber schön <3

    Gruß,
    Bianca

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  3. Hallo Moni,

    eine wirklich sehr schöne Rezension aber das bin ich nicht anders von dir gewohnt :-D.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass die verschiedenen Erzälstränge etwas Besonderes sind und der SChreibstil scheint auch mal was anderes zu sein. Aber es klingt auch ein wenig verwirrend alles.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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