Samstag, 3. Juni 2017

[Autorenratsch] Nicole Gozdek


Heute zu Gast beim Autorenratsch:


1. Beschreibe Dich mit nur 3 Wörtern ... 


Fantasyfreak, kreativ, chaotisch


2. Wie würde Dich dein Protagonist Tirasan (Nr. 19) aus "Die Magie der Namen" beschreiben? Was würde er wohl über Dich erzählen?


Nummer 19 würde mich vermutlich mögen. Ich bin kein Aufschneider und kein Lügner – die hasst er -, sondern eher bodenständig und hoffentlich auch nett (klappt nicht immer). Mit Nummer 19 würde ich mich vermutlich gut verstehen, da ich die Liebe zu Büchern und die Abneigung gegen Sport mit ihm teile. Aber gleichzeitig wäre ich niemand, den er bewundern könnte. Denn Nummer 19 träumt davon, jemand Berühmtes, ein Held zu sein. Ich bin weder eine Kriegerin noch eine Magierin oder sonst irgendwie bedeutend. Auch wenn das ihn nicht daran hindern würde, mit mir befreundet zu sein, aber als Autorin bin ich ihm vermutlich zu normal. Ich schreibe lieber die Geschichten anderer auf und er wünscht sich, dass man Geschichten über ihn schreibt.




3. Welche geheime (oder nicht so geheime) Superkraft braucht man als Autor?


Vermutlich die Fähigkeit, sich gegen seine Muse und seine Figuren, die einem am liebsten auf der Nase tanzen und ihren eigenen Plan haben (den man dann als Autor brav ausführen darf), zu behaupten. Dummerweise klappt das bei mir nicht immer. Mein magischer Schild gegen neue Buchideen setzt in der Regel immer dann aus, wenn ich gerade überhaupt keine Zeit für ein neues Projekt habe, weil ich mittendrin in einem anderen stecke und das Ende meistens noch fern ist. Inspiration und lebendige Figuren sind schön und gut – wenn sie sich doch bitte gedulden würden, bis ich Zeit für die nächste Geschichte habe, beziehungsweise hin und wieder mal nicht all meine schönen Pläne über den Haufen werfen würden. Doch das kommt eigentlich regelmäßig vor.


4. Du bist der Schurke / Bösewicht aus einem Buch / Film / einer Serie. Wer bist Du und wieso?



Tolle Frage! Darüber muss ich jetzt erst mal nachdenken.
Hm. Ich glaube, ich wäre gerne jemand mit magischen Fähigkeiten, der sowohl gute als auch schlechte Seiten hat. Und da mein Lieblingsautor Brandon Sanderson ist, wäre ich gerne ein Superheld alias Superschurke aus seiner „Steelheart“-Reihe. Dort ist es nämlich der Einsatz der Superkräfte, die den Charakter korrumpiert. Sprich, ich müsste sehr stark aufpassen, dass ich beim Versuch, eine Heldin zu sein und meine Kräfte einzusetzen, nicht zur Schurkin werde. Irgendwie finde ich diesen Konflikt faszinierend.

5. Du lebst in einer Welt, in der das Schreiben von Büchern verboten ist. Was machst Du mit all Deinen kreativen Ideen?


Zum Glück bin ich nicht darauf angewiesen, meine Geschichten auch zu Papier zu bringen. Ich würde mir einfach weiterhin Geschichten in meinem Kopf ausdenken – solange es in der Welt keine Telepathen gibt, die mich ertappen könnten, merkt das ja keiner. ;-)
Das ist eine Angewohnheit von mir: Ich denke mir kleine Geschichten für mich selbst aus (ich kann nicht NICHT Geschichten erfinden). In der Regel werden daraus aber nie Bücher. Ich habe das einmal versucht, aber festgestellt, dass es ganz schwer ist, die Geschichte, die ich szenenweise in unzähligen Varianten durchgespielt habe, zu Papier zu bringen. Ich kann mich dann nicht für eine Version entscheiden, die Dinge entwickeln sich plötzlich anders, als ich will, und etwas in mir sträubt sich dagegen, diese Geschichten mit jemandem zu teilen.
Wenn ich mir auch keine Geschichten ausdenken dürfte, würde ich meine Kreativität wohl beim Malen oder Zeichnen austoben. Ein unkreatives Leben kann ich mir nicht vorstellen.

6. Wir springen ins Jahr 2027. Wie sieht Dein Leben als Autor jetzt aus? Was ist alles passiert? Was würdest Du Dir für die Zukunft wünschen?


Ich würde mir wünschen, dass ich irgendwann meinen Brotjob an den Nagel hängen und vom Schreiben leben könnte. Dann könnte ich jedes Jahr 2-3 neue Bücher schreiben und herausbringen und das tun, was ich am meisten liebe: schreiben.
Auch wenn ich immer am liebsten Fantasyromane schreiben werde – das geht gar nicht anders, ich bin seit meiner Jugend ein unbelehrbarer Fantasyfreak -, möchte ich mich gerne auch in anderen Genres austoben. Ich habe bereits eine Komödie mit leichter Gesellschaftskritik („Königreich zu verschenken“) geschrieben, das kann ich mir gut vorstellen, dass ich das in den nächsten 10 Jahren erneut tun werde.
Was ich fest vorhabe, ist in der Zeit auch Jugendbücher ohne Fantasy und phantastische Kinderbücher zu schreiben. Ideen habe ich dafür schon. Fest vorgenommen habe ich mir auch, einen Krimi mit ungewöhnlichen Figuren zu schreiben – erste Ideen geistern da schon in meinem Kopf herum.
Aber wer weiß, vielleicht werde ich ja irgendwann nicht nur High Fantasy und lustige Fantasy schreiben, sondern auch als Romantasy-Autorin bekannt sein. Es hat mich selbst überrascht, als ich letztes Jahr eine Idee für eine entsprechende Geschichte hatte, die hartnäckig darauf pochte, dass ich sie schreiben müsse. Inzwischen habe ich Ideen für eine ganze Romantasy-Reihe. Ich bin selbst ganz gespannt, was in den nächsten Jahren daraus wird.
Was ich gerne mal machen würde, ist sozusagen „Work & Travel“. Sprich irgendwo eine Auszeit von 1-2 Monaten nehmen und mich von der neuen Umgebung zu einem neuen Roman inspirieren zu lassen, sei es nun mit oder ohne direkten Bezug zwischen Ort und Roman. Mal schauen, was ich 2027 davon alles umgesetzt habe.


7. Wem würdest Du von Deinen Büchern abraten und wieso?


Wer überhaupt keine Fantasy mag, puh, der hat es bei meinen Büchern schwer. Meine Romane enthalten fast alle Magie und Welten, die anders sind als unsere. Darauf muss man sich als Leser erst einmal einlassen können. Während „Die Magie der Namen“ ja „Fantasy light“ ist, wie ich immer dazu sage, weil man auch als Neueinsteiger im Fantasygenre gut in die Geschichte kommt, habe ich andere Manuskripte, da gelingt das nicht so einfach, weil der Unterschied zu unserer Welt größer ist.
Ich würde einem solchen Leser dann noch nicht einmal zu meiner royalen Komödie „Königreich zu verschenken“ raten, obwohl das Buch ganz ohne Magie oder phantastische Wesen auskommt. Aber ich liebe es, Welten zu erschaffen, die Regeln der Realität auf den Kopf oder zumindest in Frage zu stellen. Wer sich darauf nicht einlassen kann, der wird sich mit jedem meiner Bücher schwer tun.

Bildquelle und Infos: http://www.nicole-gozdek.de/

8. Einer Deiner Protagonisten kommt Dich besuchen. Wer ist es und wie sieht euer Tag aus?


Okay, das kommt darauf an, wer es ist. Wenn mich Murphy besuchen kommen würde, dann würde ich versuchen zu türmen – oder einen äußerst unangenehmen Tag erleben. Denn Murphy liebt es, anderen Leuten Streiche zu spielen. Ich würde mich den ganzen Tag tierisch über ihn ärgern – und abends auf der Rechnung sitzen bleiben. Nein, danke! Sorry, Murphy, aber du bist kein willkommener Gast.
Über den Besuch von Nummer 19/Tirasan würde ich mich mehr freuen, auch wenn wir den Tag wohl mit Quatschen und Lesen verbringen würden.
Wenn mich Niliana besuchen kommen würde, würde ich mir mit ihr wohl einen Schreibmarathon liefern, denn Niliana ist eine Muse der Literatur, die selbst sehr gerne schreibt.


9. Du bekommst den Oscar für eines Deiner Werke? Welches wäre es und in welcher Kategorie? (z.B. authentischste Protagonisten, faszinerendster Weltenentwurf, bildhaftester Schreibstil usw. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.)

Da „Die Magie der Namen“ glücklicherweise so gut bei den Lesern ankommt, könnte ich mir vorstellen, dass ich am ehesten für diese Geschichte den Preis bekommen würde. Entweder für die Idee oder für die Figuren. Das sind eigentlich die Dinge beim Schreiben, die ich am besten kann – oder jedenfalls werde ich dafür am häufigsten gelobt. :)

Bei meinen Geschichten wird man hoffentlich nie das Gefühl haben: Das habe ich aber anderswo schon mal gelesen. Mir ist es wichtig Geschichten zu erzählen, die ich selbst so noch nicht gelesen habe und die mich als Leserin interessieren würden. Wenn die Idee nicht originell ist, schreibe ich die Story nicht.
Andererseits ist es mir wichtig, die Balance zu halten. Auch wenn meine Ideen ungewöhnlich sind, meine Figuren sollen so sein, dass sich die Leser gut in sie hineinversetzen und mit ihnen identifizieren können. Also nicht fremdartig, sondern einfach menschlich und mit nachvollziehbaren Gedanken, Gefühlen, Wünschen und Handlungen. Für mich sind meine Figuren lebendig und das versuche ich auch beim Schreiben aufs Papier zu bringen. Sie sollen keine Stereotypen, keine wandelnden, sprechenden Klischees sein. Die Figuren haben bei mir immer Stärken und Schwächen und manche von ihnen sind herrlich skurril. Wie im echten Leben eben.

10. Wir bleiben bei der Oscarverleihung: Du hast 5 Sätze, in denen Du Deinen Lesern danken kannst. Schieß los ... .

Ich bin bei solchen Dankesreden leider immer sehr schlecht. Aber ich versuche es mal.
Ich bedanke mich ganz herzlich bei meinen Lesern, die mir diesen Erfolg – und damit die Erfüllung meines Traums – ermöglicht haben. Ich bedanke mich für all die tollen Rezensionen, Bewertungen, Kommentare, Nachrichten, Anregungen, aber auch Kritiken, die dafür gesorgt haben, dass ich nicht nur weiterhin gerne Autorin bin, sondern auch versuche, immer weiter an mir zu arbeiten und die bestmöglichen Geschichten für die besten Leser der Welt zu schreiben: nämlich für euch.


11. Deine Bücher kommen im Fernsehen in der Werbung? Wie sieht der Werbeslogan aus?


Lassen Sie sich von ungewöhnlichen Welten, packenden Figuren und einer mitreißenden Handlung verzaubern!
(Der Slogan ist vermutlich zu lang, ich weiß.)


12. Horrorszenario: Wir leben in einer Welt, in der alle Bücher verbrannt werden, außer man kann einen guten Grund vorbringen, wieso sie erhalten bleiben sollen. Wie sieht Dein Plädoyer für Deine Werke aus? (Und bitte keine falsche Bescheidenheit! Jetzt kannst Du mal so richtig von Deinen Werken schwärmen 😁)


Was??? Wer verbrennt denn Bücher?? *hat Schnappatmung*
Also meine Bücher werden nicht verbrannt, bitte! Denn ich habe nicht nur viel Zeit und Herzblut ins Schreiben gesteckt, sondern auch die Leser profitieren davon, wenn sie sie lesen können. Meine Bücher:
-          sorgen für zahlreiche spannende und abwechslungsreiche Lesestunden voller Spannung, Abenteuer, Magie, Lachen, Mitfiebern, Staunen, Nachdenken, Träumen und mehr.
-          bieten einzigartige Geschichten, die es sonst so auf diese Weise nicht bei anderen Autoren gibt. Originalität ist niemals überflüssig!
-          haben Figuren, mit denen sich die Leser identifizieren und mit denen sie sich gemeinsam freuen, Angst haben, auf Abenteuer gehen, lachen oder weinen und Hürden bewältigen, Herausforderungen bestehen, das Böse besiegen, phantastische Welten entdecken, Prophezeiungen erfüllen, etc. und dabei entdecken, wer sie wirklich sind.
-          bieten für jeden Geschmack etwas. Von Geschichten für junge Leser, spannende Abenteuer in fremden Welten, Geschichten für Jedermann über Geschichten für Fantasyfans sowie lustige Geschichten bis hin zu Geschichten, die den Leser einen neuen Blick auf die eigene Welt werfen lassen, ist alles dabei.
-          erinnern daran, dass Lesen auch Träumen bedeutet. Nicht nur die Figuren haben Träume, auch die Leser können davon träumen, ein Held zu sein, ein Abenteuer zu erleben, mit den Figuren des Romans auf Entdeckungsreise in einer phantastischen Welt zu gehen – sie können dabei auch ihre eigenen Sorgen, Ängste, Nöte, den Stress des Alltags vergessen, die Füße hochlegen und einfach entspannen. Meine Bücher sind ein Kurzurlaub für die Seele.
Und wen das nicht überzeugt, der liest vermutlich nicht gerne Bücher. Aber der sollte auch eins bedenken: Ohne gute Bücher, ohne Autoren an sich, gäbe es auch keine Filme oder Serien! Die Welt ist ohne Bücher – ohne Geschichten – doch ein ganzes Stück ärmer.



13. Du musst gemeinsam mit einer Kollegin / einem Kollegen ein Buch schreiben. Wer wäre das und worum würde es in dem Buch gehen?


Über diese Frage habe ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht. Ich sehe manchmal Autorenduos und frage mich: Wie machen die das? Ich kann mir vorstellen, dass es sehr schwierig ist, eine gemeinsame Idee zu entwickeln und trotz unterschiedlicher Schreibweisen gut zu harmonieren. Daher finde ich es wichtig, dass ich mich mit dem Kollegen gut verstehe und auch seine Bücher mag.
Aus diesem Grund kann ich mir sehr gut vorstellen mit Lillith Korn einen Fantasyroman zu schreiben. Die liebe Lillith und ich haben bereits gut zusammengearbeitet, da wir gegenseitig unsere Manuskripte testlesen. Da merkt man sehr schnell, ob man ähnliche Vorstellungen hat, wie eine Geschichte zu funktionieren und Figuren zu sein haben. Auch liebe ich ihren Humor und ihre ungewöhnlichen Ideen.
Sehr spannend stelle ich mir die Zusammenarbeit auch mit Petra Renée Meineke vor. Wir standen beide im Finale des Piper Wettbewerbs, sind seitdem befreundet und schätzen die Geschichten der jeweils anderen sehr. Petra ist eine Autorin, die sehr viel Liebe ins Detail steckt und sehr genau recherchiert. Ich könnte mir gut vorstellen, mit ihr entweder einen Krimi oder eine zeitgenössischen Fantasyroman zu schreiben, wo wir beide unsere Stärken gut einbringen und uns gegenseitig ergänzen könnten.
Mal gucken, was die beiden sagen, wenn sie dieses Interview lesen. Wer weiß, vielleicht wird ja irgendwann mal etwas aus dieser Idee. :)


14. Welche Frage würdest DU selbst einem Autor stellen? Und wie sieht Deine eigene Antwort dazu aus?

Welches ist dein schönstes Erlebnis als Autor? Und welches dein ungewöhnlichstes?
Bei mir lautet die Antwort auf die erste Frage: der Gewinn des Piper Awards #erzaehlesuns. Denn durch ihn habe ich durch den Verlag eine unglaubliche Chance bekommen, für die ich immer noch jeden Tag unendlich dankbar bin. Ich darf mich seitdem als Autorin fühlen, meine eigenen Bücher in der Hand halten, mit tollen Leuten innerhalb und außerhalb des Verlags zusammenarbeiten, mich mit Lesern austauschen und vieles mehr. Der Gewinn hat den Grundstein gelegt für die besten zwei Jahre meines Lebens – und die arbeitsreichsten. ;-)
Mein ungewöhnlichstes und ebenfalls großartiges Erlebnis war, als mich eine begeisterte Bloggerin fragte, ob ich ihr und ihren Kolleginnen nicht ein Interview zu „Die Magie der Namen“ geben könnte. Aus einer weiteren spontanen Frage wurdeinnerhalb von nicht einmal fünf Minuten ein Wochenende in Dresden und der Beginn einer tollen Freundschaft mit Nicky, Lisa, CopperBat, Taja und den anderen von Die Librellis. Diese Wochenende, die tolle Frage- und Diskussionsrunde sowie Tajas grandiosen Kuchen zum Buch werde ich nie vergessen. Wer teilhaben will an diesem für mich einzigartigen Erlebnis, der kann sich auf Youtube einen Teil des Gesprächs (und den Kuchen!) ansehen:



Liebe Nicole, dankeschön für dieses interessante Interview. Ich habe mich sehr gefreut, dass Du Dich an meine Fragen herangetraut hast und wünsche Dir, dass Du irgendwann Deinen Brotjob an den Nagel hängen und vom Schreiben leben kannst.


Wenn Ihr jetzt noch mehr über Nicole Gozdek und ihre Bücher wissen wollt, bekommt ihr hier mehr Infos: 




 

1 Kommentar:

  1. Dankeschön für die tollen Fragen, liebe Moni. <3 Es hat mir sehr viel Spaß gebracht. :)

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